Pilot 1: Integration von Ladungsdaten

„Was wäre, wenn im Havariefall alle Ladungsdaten sofort verfügbar sind und nicht nur die von Gefahrgütern?“

Aktuell übermitteln die Hafeninformationssysteme im Rahmen der Hafenanmeldung für Ankunft/Abfahrt u.a. folgende Informationen an das NSW: Umschlagart (Laden/Entladen), Warenart, Containeranzahl und Gesamtmasse je Warenart; die warenbezogene Meldepflicht beschränkt sich hierbei auf Gefahrgüter. Künftig sollen die Reeder zusätzlich zu den Schiffsmeldungen auch alle Ladungsdaten (nicht nur die gesetzlich geforderten Gefahrgutinformationen) übermitteln. Im Ergebnis haben Datenkonsumenten wie z. B. Zoll und Havariekommando die volle Transparenz über Export und Import auf dem Seeweg. So kann z. B. die Auslastung der Häfen prognostiziert sowie die Planung entsprechend angepasst werden. Im Ausblick sollten sämtliche hafenbezogenen Meldungen über das NSW-Plus abzuwickeln sein.

Neben der Erweiterung auf alle Warenarten soll eine direkte elektronische Übermittlung der Daten durch den Anmelder ermöglicht werden. Im Ergebnis haben Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), z.B. das Havariekommando, bei Bedarf Zugriff auf alle Daten. Mögliche weitere Funktionen: Information über Ladung, die in einem Hafen ankommt (Import) bzw. Ladung, die in einem Hafen auf ein Schiff geladen wird (Export), kann verwendet werden, um die kurz-, mittel- und langfristige Verkehrsplanung des Hafens auszurichten. In einer weiteren Ausbaustufe können diese Ladungsdaten als Basis für weitere Meldungen – z. B. die Zollanmeldung – verwendet werden. Eine Herausforderung bei diesem Piloten wird sein, eine direkte Anbindung der Meldepflichtigen zum NSW zu realisieren, die die nötige Datenqualität sicherstellt und mit geringem Aufwand zu warten ist.

Die bestehende NSW-Datenbank wird erweitert bzw. eine neue Datenbank erstellt. Zur Übermittelung der Daten vom Anmelder sowie zum Datenabruf und somit der direkten Kommunikation mit dem NSW-Plus werden neue Schnittstellen in Form von Web-Services geschaffen und ggf. weitere Schnittstellen wie XML oder EDIFACT angeboten. Ein Web-Frontend rundet die Möglichkeit der Datenerfassung sowie den visuellen Zugriff und die Kontrolle auf die bestehenden und neuen Informationen ab. Die einkommenden Daten werden zur Sicherung der Datenqualität syntaktisch und semantisch geprüft.

Zur Hinterlegung der Zugriffsberechtigungen werden ein detailliertes Berechtigungskonzept und eine zur Pflege benötigte Front-End-Anwendung zur Sicherstellung der Datensicherheit implementiert. Eine Herausforderung liegt darin, dass die Ladungsinformationen auch beim Zoll über eigene Single Windows, die per EU-Verordnung betrieben werden, anzumelden sind. Entscheidend für das Sharing in NSW-Plus ist, dass die Melder die Informationen nicht doppelt abgeben müssten.
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